Kochelsee
DEUTSCHE INSELN
INTERVIEW


Der Schneesturm vor der Seebrücke Ahlbeck
hat leider keinen Platz im Buch gefunden.





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Eine außergewöhnliche Idee: ein Fotograf entschließt sich alle deutschen Inseln zu be-
reisen. Wie ist diese entstanden?

Begonnen hat alles mit der Insel Rügen. Ich war in den Semesterferien auf der Insel und habe dort meine Frau kennengelernt. Zusammen sind wir immer wieder auf Familienbesuch nach Rügen gefahren. Im Mai 2004 haben wir dann eine Woche Inselurlaub auf Hiddensee gemacht. Sofort hat mich "dat söte Länneken" mit seinem Charme in seinen Bann gezogen. Da wurde ich neugierig auf die anderen Inseln - die Idee war geboren.

Die DEUTSCHEN INSELN in der Nord- und Ostsee lassen sich nicht an einer Hand abzäh-
len. Wie viele Inseln haben Sie für das Buch besucht? Und wie lange haben Sie an dem Projekt gearbeitet?
In den 5 Jahren, die ich am Buch gearbeitete habe, besuchte ich auf 40 Inselaufenthalten insgesamt 21 Inseln. Etliche Inseln davon sogar mehrmals, entweder hat das Wetter nicht mitgespielt oder die Zeit war zu knapp. Ich musste mich erst an die Langsamkeit auf den Inseln gewöhnen: mit Fahrrad oder zu Fuß und meinem Fotorucksack auf dem Rücken, der satte 20 kg wiegt, bin ich doch nicht so schnell wie gewohnt.

Eine Frage, die sicherlich schon oft gestellt wurde: Welche ist für Sie die schönste Insel?
Eine "schönste Insel" gibt es eigentlich nicht, denn es hängt immer davon ab, was man gerade sucht. Will ich neben dem Inselleben zwischen Meer, Dünen und Strand auch noch Party und Shoppen, dann ist Sylt sicherlich erste Wahl. Spiekeroog hingegen habe ich als sehr idyllisch, geradezu verträumt empfunden. Eine Insel wie aus dem Bilderbuch und autofrei dazu. Hiddensee in der Ostsee ist sehr ähnlich. Rügen hingegen ist abwechslungsreich: gewaltig und einzigartig die Kreideküste, Heidelandschaft auf Mönchgut, einsame Boddenküste, pulsierendes Strandleben in den Ostseebädern.

Mit welcher Insel haben Sie begonnen und welche haben sie als letztes bereist?
Die erste Insel war Rügen. Abschließend war ich auf Borkum, da mein erster Inselaufenthalt durch ein hartnäckiges Tiefdruckgebiet förmlich ins Wasser fiel.

Eine praktische Frage: Sie wohnen in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen, da sind die Inseln nicht gerade das nächste Reiseziel: Rügen ist knapp 950 und Sylt sogar 1099 Kilometer entfernt. Wie gelangt man aus dem Süden Deutschlands in den Hohen Norden?
Wenn ich in den Norden wollte, habe ich immer den Autozug nach Hamburg oder Berlin genommen. Da war ich am nächsten Morgen fit und konnte gleich mit der Arbeit loslegen.

Ihr persönliches Lieblingsbild im Buch?
Die Victoriasicht an der Kreideküste von Rügen auf Seite 141.

Und ihr schwierigstes Bild?
Das schwierigste Bild war sogar unmöglich: Ich war mit einem Fischer zu einer Kutterfahrt verabredet. Der Wetterbericht sagte 2 Windstärken voraus und im Hafen war es relativ ruhig. Wir entschlossen uns auszulaufen. Sobald wir aber aufs offene Meer kamen, erwischten uns Wellen und der Wind der Stärke 6 bis 7 mit voller Wucht. Die Fischer machten Ihre Arbeit und ich vergnügte mich mit meiner Seekrankheit an der Reeling. An das Fotografieren konnte ich nicht einmal mehr denken.

Hatten Sie noch andere Schwierigkeiten beim Fotografieren auf den Inseln?
Ja, zum einen der Wind, der trotz Stativ, nicht nur ein Bild verwackelt hat. Zum anderen eisige Temperaturen, Schneestürme bei den Winteraufnahmen und der Flugsand am Strand, der einfach überall ist, auch in der Kamera, Objektiv und Augen. Außerdem bedurfte es beim Inselhopping an der Nordsee einer sehr guten Planung, da etliche Häfen gezeitenabhängig sind. So kann es vorkommen, dass man an einem Tag von Juist ans Festland kommt, aber nicht mehr am selben Tag vom Festland wieder auf die Nachbarinsel Norderney.

Ein besondere Begebenheit, die Sie unterwegs erlebt haben?
Ich war im Winter auf Usedom unterwegs. Dort fotografierte ich gerade am Strand in Ahlbeck als bei eisigen Temperaturen ein Schneesturm losbrach. Dann für einen Moment hielt der Sturm inne und die Sonne brach durch die dunklen Wolken. Ich blickte durch den Sucher, als mir plötzlich ein Mann in Badehose ins Bild lief. Ohne zu zögern sprang er in aufgewühlte Ostsee und schwamm (!) seine Runde. In 3 Jacken gehüllt beobachtete ich ihn ungläubig. Und auf Juist hat mir eine Möwe meine Brotzeit gestohlen. Nur 2 Minuten hatte ich am Strand die Augen geschlossen und schon war sie fort. Ich sah gerade noch die Möwe wie sie mit meiner Tüte entwischte. Die Tüte lag zuvor nur wenige Zentimeter neben mir!

Schon mal einen Inselkoller gehabt?
Nein. Das Meer hat eine sehr beruhigende Wirkung und ich hatte immer viel zu tun, so dass mir nie langweilig wurde. Nur in einem Winter auf Sylt war ich nahe dran am Inselkoller: Eine ganze Woche musste ich auf Licht warten. Der Himmel war grau und trüb, Nebel wabberte durch die frostige Seeluft. Es wollte sich einfach nicht bessern. Nach 7 Tagen warten, wurde ich endlich erlöst.

Warum die Inseln im Panorama?
Es ist die Weite, die Weite der Landschaft - Meer, Strand, Dünen bis zum Horizont. Sie brauchen Platz zum Wirken. Was bietet sich da besser an als das Panorama?

Sie haben bewusst auf Menschen in ihren Bildern verzichtet. Warum?
Ich möchte die Ruhe, die ich in mir auf den Inseln spüre, in meinen Bildern wiedergeben. Bewusst reduziere ich die Inseln auf die zeitlose Schönheit ihrer Landschaft und Architektur.

Welches Gefühl ist es, dieses Buch nun in der Hand zu halten?
Ich empfinde Zufriedenheit, Erleichterung und ein wenig Wehmut. Ich denke ich konnte die Faszination der Inseln in meinen Bildern umsetzen und mein Projekt erfolgreich abschließen. Und trotzdem befällt mich Wehmut, als ob ich einer liebgewonnenen Bekannten zum Abschied winke. Aber ich denke ein Wiedersehen wird nicht lange auf sich warten lassen. Dafür sind die Inseln zu faszinierend.

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